Wenn eine Partnerschaft zerbricht, ist es schwer, damit umzugehen. Noch problematischer wird es, wenn das Paar gemeinsame Kinder hat. Häufig ist dann einer alleinerziehend, mit all den Schwierigkeiten und Hürden, die das mit sich bringt. Aber: Auch wenn es anfangs nicht so scheint – das Dasein als Alleinerziehender hat auch gute Seiten.

Welche Schwierigkeiten eine Ein-Eltern-Familie mit sich bringt, weiß Alexandra Widmer. Sie ist Buchautorin, Ärztin, Psychotherapeutin und selbst alleinerziehende Mutter. So gibt es auf der einen Seite Druck von außen, wie die Arbeit, Ärger mit dem Ex-Partner etwa um Sorgerecht, Unterhalt oder Erziehung, finanzielle und steuerliche Benachteiligung, Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung sowie kaum Zeit für Erholung.

Viele Alleinerziehende verspüren aber auch einen inneren Druck, beschreibt Widmer: Sie glauben, keine Schwäche zeigen zu dürfen und somit niemanden um Hilfe bitten zu können. Oder sie haben das Gefühl, alleinerziehend keine gute Mutter beziehungsweise kein guter Vater zu sein. All das kann schädlich sein.

In der Situation etwas Positives zu sehen, ist zugegebenermaßen nicht ganz leicht. Damit das trotzdem gelingt, ist es wichtig, auf sich selbst zu achten, betont Widmer. Das Risiko, an einer Depression zu erkranken, ist bei Alleinerziehenden deutlich erhöht. Wer in zwei kinderfreien Stunden nur putzt, tut sich damit keinen Gefallen. Wer hingegen einfach einmal alles stehen und liegen lässt und zum Beispiel schwimmen geht, tut sich – und damit auch seinem Kind – etwas Gutes.

Damit alleine ist es aber noch nicht getan: „Es ist in dieser Lebensphase utopisch zu glauben, Job, Kinder und Haushalt unter einen Hut zu bekommen“, sagt Widmer. Es ist wichtig, sich Hilfe zu holen, im Zweifel auch professionelle Unterstützung.

„Allein erziehen ist sicher nichts, was man idealisieren würde“, sagt Bernadette Conrad, Autorin des Buches „Die kleinste Familie der Welt“. Die Stärken dieser Familienform würden aber meist völlig verkannt. „Das finde ich schade.“ Neben den Nachteilen gibt es aus ihrer Sicht auch Vorteile. Einer davon ist, dass man alles selbst gestalten kann.

Außerdem hat man nur sich, daraus entwickeln sich oft engere Eltern-Kind-Beziehungen. Das Konzept „Wir zwei gegen den Rest der Welt“ hat allerdings Grenzen. Alleinerziehende sind gewissermaßen gezwungen, andere mit ins Boot zu holen, erklärt Conrad. Man setzt sich zum Beispiel ziemlich wahrscheinlich nicht zu zweit unter den Christbaum. Und so muss die Kleinstfamilie ihren Horizont erweitern und sich öffnen – für Freunde oder entferntere Verwandte. „Das ist ein großer Gewinn für das Leben.“

Quelle: APA