Kurz vor Beginn des neuen Schuljahrs steht vielen Familien der Kauf einer Schultasche vor dem ersten Gang in Richtung „Ernst des Lebens“ bevor. Experten des Orthopädischen Spitals Speising in Wien haben während der Sommermonate Kinder beim Tragen von gefüllten Schultaschen auf einem Laufband klinisch beobachtet und Erkenntnisse anhand einer Videoanalyse gewonnen.

Die wichtigsten Ergebnisse fasste die Kinderorthopädin Karin Riedl so zusammen: „Die perfekte Schultasche, die für alle Kinder passt, gibt es nicht. Entscheidend sind vielmehr die richtige Einstellung und das richtige Tragen der Taschen.“ Bei der richtigen Einstellung sollten die Eltern regelmäßig den Sitz der Tasche am Rücken des Kindes kontrollieren: Die Schultasche muss möglichst nahe am Rücken anliegen, die Unterkante der Tasche soll sich in der Höhe der Hüfte befinden. „Der Tornister darf also nicht bis über das Gesäß reichen.“ Von Vorteil seien daher jene Schultaschen, bei denen der Rückenteil höhenverstellbar ist.

Zum richtigen Tragen zählt jedenfalls das beidseitige Schultern der Schultasche. „Sie an einer Schulter hängen zu lassen, ist zwar vielleicht cool, aber ungesund“, betonte die Expertin. Das Gewicht der gefüllten Tasche darf nicht zu hoch sein. Empfohlen ist ein Anteil (Eigengewicht der Tasche plus Schulsachen) von rund 17 Prozent des Körpergewichts; schwerere Lasten sind zwar keineswegs empfohlen, jedoch wäre auch – sollte es einmal wirklich nötig sein – eine Last von bis zu 30 Prozent des Körpergewichts bei einem zehnminütigen Schulweg medizinisch unbedenklich, resümierte die Kinderorthopädin.

Die Expertinnen, die die klinische Beobachtung durchführten – neben Riedl sind dies die Ergotherapeutinnen Doris Taurok und Stefanie Haider – plädieren für Quergurte an der Tasche. Die zwei Schulterriemen sollen also durch einen Brustgurt und einen Hüftgurt miteinander verbindbar sein. Beim Tragen der Ranzen sind diese Gurte immer zu schließen, betonten die Forscherinnen. So verteilt sich die Gewichtslast optimal.

Werden die Kinder größer, sollte regelmäßig überprüft werden, ob der Hüftgurt immer noch am Becken aufliegt und Gewicht der Tasche übernimmt. Sitzt der Gurt nämlich zu hoch, verliert er seine Funktion, und der Bauch des Kindes wird unangenehm eingeschnürt. Die Schulterriemen sollen eine Breite von vier Zentimeter aufweisen, damit die punktuelle Last nicht allzu groß wird. Aber Achtung, zu breite Träger können wiederum, besonders bei vollen Schultaschen, auf die Nackenmuskulatur drücken und Verspannungen oder Kopfschmerzen auslösen.