Nach dem vierten Schwangerschaftstest innerhalb von sieben Tagen stand es endlich fest, wir bekommen ein Baby. Nachdem ich vom ersten Tag an kein Symptom ausgelassen hatte und trotzdem kein Test positiv ausfallen wollte, hatte ich schon meine Psyche in Verdacht.

Bei einem großen Kinderwunsch inklusive bester Vorbereitung und einer klitzekleinen Tendenz zur Kopflastigkeit, ist eine eingebildete Schwangerschaft nicht weit entfernt, nicht wahr?
Zum Glück war ich nicht verrückt, sondern „nur“ schwanger. Und wie schwanger ich war…

1.Trimenon „Ich fühle mich so schwanger!“

 Mir war vollkommen klar, dass alle Menschen in meiner Umgebung mir meine Schwangerschaft ansehen würden. Stolz schob ich mein Babybäuchlein, das noch alles andere als sichtbar war, durch die Straßen. Immer wieder holte mich dabei der erschreckende Gedanke ein, was wäre wenn…oh, so darfst du nicht denken, ermahnte ich mich dann sofort wieder. Alles wird gut gehen!

Gedanken wie diese begleiten eine Schwangere im ersten Trimenon ständig. Kein Wunder auch, wo dir ja immer wieder gesagt wird, teilweise durch die Blume, teilweise unverblümt gerade heraus, was noch alles schief gehen könnte und dass du dich nur ja nicht zu früh freuen solltest. Dabei die gelassene Schwangere zu spielen, ist eine echte Herausforderung. Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass alles so kommen wird, wie es denn sollte. Kein negativer Gedanke, keine meiner Sorgen hätte Einfluss auf das was kommt. Ein positiver Gedanke hingegen aber vielleicht schon, oder etwa nicht? Egal, ganz nach dem Prinzip „Hilfts nichts, schads nichts“ wie der Wiener so gerne sagt, startete ich halbwegs zuversichtlich in jeden neuen Tag.
Und ehe ich es mich versah, waren die heißen ersten 12 Wochen um. Zukünftige Tanten und Onkeln, Omas und der Opapa waren ebenfalls mehr als zuversichtlich. Es wurden bereits Niedlichkeiten frei Haus geliefert und tägliche Updates zu meinem Zustand gefordert.
Da kann man gar nicht anders, als sich einfach zu freuen und die Zuversicht einladen mit zu feiern.

Und der werdende Papa? Ja, der freute sich, soweit ich das beurteilen konnte, immer dann wenn ich gerade kein „mir ist so schlecht“ oder „ich bin so müde“ von mir gab. Selbstverständlich freute er sich auch über das kleine Bündel Freude das ich gerade emsig ausbrütete, aber ich denke, hauptsächlich genoss er die Momente in denen ich ihm nicht vor die Schuhe kotzte.

2. Trimenon „RUNDum zufrieden“

Juhuuu, der morgendliche Kloß im Hals war verschwunden und es gab wieder Nächte in denen ich tatsächlich durchschlief. Eine Schwangerschaft wie sie im Buche steht. Punkt genau zu Beginn des 2. Trimenons glätteten sich die Wogen. Ganz im Gegensatz zu meinem Bauch. Jetzt konnte ich die Wölbung nicht mehr verstecken. Wollte ich auch nicht! Ein paar verlegene Blicke und bestimmt auch Überlegungen über meinen derzeitigen Schokokonsum begleiteten meinen Alltag. Es war Winter und die Kleiderschichten ließen viel Spekulationsrahmen zu.
Während mir die Frauen in meiner Umgebung bereits inklusive Umarmung und Bauchtätschler um den Hals fielen, hatten die Männer anscheinend aus Erfahrung gelernt, sich in Zurückhaltung zu üben, wenn keine klare Bestätigung einer angenommenen Schwangerschaft vorlag. Gut so, ihr lieben Männer. Mein Schwager brachte die männliche Verwirrung auf den Punkt… Einer Frau darf man auf keinen Fall sagen dass sie gut aussieht, wenn man damit meint, dass sie zugenommen hat. Aber wenn sie schwanger ist und man sagt ihr Bauch sei noch gar nicht so groß, ist das auch wieder nicht richtig. Gut erkannt, lieber Herr Schwager.
Nach 26 Wochen und rund 90 cm Bauchumfang, traute sich unser Tanzlehrer erstmals eine vage Vermutung auszusprechen. Das muss man sich einmal vorstellen, bis dahin dachte er, ich sei schlicht weg fett geworden.
Exakt am Tag 19+6 war es dann so weit. Ich spürte mein Baby zum ersten Mal. Viele Schwangere verwechseln ja die ersten Kindsbewegungen mit Blähungen. Aber ich wusste genau, das ist mein Baby. Mit Blähungen hatte ich so meine Erfahrungen. Das war der schönste Moment meiner Schwangerschaft. Von diesem Tag an spürte ich mein Baby jeden Tag.
In dieser Zeit fühlte ich mich großartig. Nichts zwickte, nichts verursachte körperliches Unwohlsein. Ich konnte meinem normalen Alltag nachgehen und konnte in liebevollen und anerkennenden „Ahhhs und Ohhhs und ach wie schön“ meiner Mitmenschen baden. Eine herrliche Zeit.
Der einzige Stress den ich mir machte, war es, diesen Moment festhalten zu wollen. Von erfahrenen Schwangeren wusste ich bereits jetzt, auch diese Zeit hat ein Ende. Der Bauch wird größer und die Wehwehchen wieder mehr. In weißer Voraussicht, gönnte ich mir viel Zeit zum genießen, brüten und träumen.

Und der werdende Papa? Er war der Hauptgrund für meine Muße und Entspannung. In der Früh ging er mit dem Worten aus dem Haus „Lass das schmutzige Geschirr stehen, das mache ich am Abend. Dein Job ist es jetzt, zu brüten und zu träumen.“
Musik in meinen Ohren und Balsam für meine Seele. Ich wollte die ganze Welt umarmen und vor allem diesen großartigen Mann.
Männer, lest‘ das und ihr wisst was eure schwangere Frau glücklich macht. Schwangere Frauen, gebt euren Männern das zu Lesen 😉

3. Trimenon „Es wird eng…“

…und zwar in jeglicher Hinsicht. Schwangerschaftswoche: 32, Bauchumfang: 109 cm, Anzahl der Fragen hinsichtlich einer möglichen Zwillingsschwangerschaft: weit über 100.

Ist euch auch schon einmal aufgefallen, dass chice, nicht allzu teure Umstandsmode zart gesät ist? Ich für meinen Teil gab nach drei Anläufen in Kaufhäusern und 4 zurückgeschickten Bestellungen auf. Die Frage, worin ich mich zukünftig einhüllen solle, begleitete mich von nun an täglich.
Ich schwankte zwischen Verzweiflung und Resignation. Dazu kamen noch schlaflose Nächte, Kreuzschmerzen und Kurzatmigkeit. Es stimmte also was alle sagten, am Schluss wird es eng…in jeglicher Hinsicht.
Zum Glück stellte sich aber auch immer wieder Glückseligkeit ein. Wie schön es doch ist, eine Wand anzumalen, wenn es sich dabei um Babys Zimmer handelt. Wie erfüllend es sich doch anfühlt, Wäsche zu waschen, wenn es sich dabei um klitzekleine Strampler handelt. Die Genügsamkeit einer werdenden Mama eben, nicht wahr?
Die Ultraschallbilder wurden unspannender, die Nächte kürzer und die Kontrolle über den eigenen Körper weniger. Die Geburt stand kurz bevor…