Baby & Vegan – geht das? Die Meinungen dazu gehen stark auseinander. Während die einen vor veganer Ernährung ab der Geburt warnen – wie etwa auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung – berichten viele Mütter, die ihre Kinder vegan ernähren, dass sie besonders gute Erfahrungen damit gemacht haben. Fachgesellschaften für Ernährung in den USA stehen veganer Ernährung im Gegensatz zu Deutschland und Österreich viel offener und positiver gegenüber. Gründe für die Skepsis im deutschen Raum sind die Befürchtung möglicher Ernährungsdefizite, wie etwa einem Vitamin B12-Mangel. Bislang gibt es zudem kaum wissenschaftliche Erkenntnisse und nur wenige Studien, die sich mit veganer Ernährung bei Kindern auseinandergesetzt haben.

Fakt ist: Wer sein Kind ernährt, muss genau darauf achten, alles richtig zu machen, um das Kind mit den Nährstoffen, die es braucht zu versorgen und Vitamine zu supplementieren, die bei einer veganen Ernährung zu kurz kommen. Mama-Bloggerin Katharina von einhornzirkus macht genau das. Sie selbst ernährt sich bereits seit einigen Jahren vegan. Als 2017 ihr Sohn Eliah auf die Welt kam, war für sie klar, auch ihn von Geburt an vegan zu ernähren. Wir haben mit Katharina über ihre Entscheidung, ihr Baby vegan zu ernähren und ihre Erfahrung mit veganer Ernährung geplaudert.

“Es hätte mich angewidert meinem Kind Teile von toten Tieren zu geben”

Seit 2011 habe ich mich immer wieder vegan ernährt. Es gab (leider) immer wieder Phasen in denen ich davon abgewichen bin. Jetzt kann ich mir das nicht mehr vorstellen. Vor allem in der Schwangerschaft hatte ich so eine Phase, weil ich immer wieder mit irrsinniger Schwangerschaftsübelkeit zu kämpfen hatte  und froh war, wenn ich irgendwas essen konnte. Leider war der Appetit auf Pizza (mit Kuhmilchkäse) damals ziemlich groß – heute ekelt es mich davor.

Ich habe mich dazu entschlossen mein Kind vegan zu ernähren, weil es mich angewidert hat, ihm Teile von toten Tieren oder Produkte zu geben, die aus der Muttermilch von anderen Lebewesen sind. Wir trinken ja auch keine Hunde- oder Katzenmilch. Ich bin so dankbar, dass mir hier – wiedermal – mein Kind den Weg gezeigt hat. Mir würde es mittlerweile absurd vorkommen, mich und Eliah nicht vegan zu ernähren. Tierische Produkte sind meiner Meinung nach nicht nur ungesund, sondern auch für die Umwelt eine Katastrophe. Wieviel Leid es für die Tiere selbst bedeutet, muss ich hoffentlich keinem mehr sagen. Also ja, es gibt für mich Vorteile: Gesundheit, Umweltschutz, Empathie. Nachteile? Eigentlich nur, dass man sich manchmal rechtfertigen muss, weil die Menschen viele Vorurteile haben und nicht ausreichend informiert sind.

Immer wieder werden in der Öffentlichkeit Stimmen laut, vegetarische und vor allem vegane Ernährung sei besonders für Babys und Kinder ungesund, denn ihnen würden dadurch wichtige Nährstoffe fehlen. Auch Katharina hat bereits Erfahrungen damit gemacht, geht aber völlig gelassen damit um.

Jede Ernährungsform kann gefährlich sein. Egal ob vegan, vegetarisch oder omnivor. Jeder sollte sich also, zumindest ein bisschen, damit auseinandersetzen. Vitamin B12 ist tatsächlich das einzige, das man wirklich supplementieren sollte. Bei omnivorer Ernährung ist das Vitamin B12 aber auch nur vorhanden, weil es den Tieren zugefüttert wird. Im Winter supplementieren wir zusätzlich noch Vitamin D – das ist aber meines Wissens nach sowieso Standard in Österreich. In unsere Smoothies gebe ich ein spezielles Leinöl, das mit DHA und EPA Fettsäuren angereichert ist. Um mein Kind vegan zu ernähren, habe ich mich nochmal genau mit Lebensmitteln auseinandergesetzt. Ich habe viel gelesen, welche Nährstoffe worin enthalten sind, und ich habe recherchiert, wie ich Vitamin B12 am Besten supplementiere. Außerdem achte ich darauf, Bio Produkte zu kaufen und immer frisch zu kochen – sogar zweimal täglich. Mit meinem Kinderarzt habe ich darüber nicht gesprochen, denn die meisten (Kinder)Ärzte sind nicht auf Ernährung spezialisiert, hier vertraue ich auf die Meinung von Ernährungswissenschaftern/beratern und mein Wissen über Ernährung.

Ich habe bis jetzt die Erfahrung gemacht, dass Eliah tatsächlich seltener und weniger heftig krank war, als die meisten Kinder im Umfeld. Insgesamt war er mit seinen 14 Monaten dreimal erkältet, aber nur mit verschnupfter Nase. Einmal hatte er einen Tag lang Fieber. Das ist im Vergleich schon sehr wenig, und das obwohl wir viel mit anderen Kindern zusammen sind. Ich denke trotzdem, dass hier nicht nur die Ernährung ein relevanter Faktor ist.

In meinem Umfeld gibt es eigentliche keine negativen Reaktionen auf meine Entscheidung Eliah vegan zu ernähren. Es wird akzeptiert wie wir es handhaben – es geht ja auch sonst keinen etwas an. Wo es immer wieder negative Reaktionen gibt, ist im Internet. Nicht unter meinen Beiträgen, aber bei anderen habe ich das schon oft beobachtet – ich bin schon gespannt, wie es nach diesem Interview aussieht 😉 Ich denke, jede Mutter will das Beste für ihr Kind und was man dann als “das Beste” ansieht, ist von Mensch zu Mensch nun mal verschieden. Es sollte einfach viel mehr Akzeptanz geben wenn Menschen Dinge verschieden handhaben.