Nähe in Form von Körperkontakt und emotionaler Verfügbarkeit ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Nicht nur Babys sehnen sich danach, auch erwachsene Menschen genießen ein gewisses Maß an Nähe. Genauso wie bei erwachsenen Menschen ist dieses Maß an Zuwendung bei Säuglingen individuell unterschiedlich.

Nähe ist nicht gleich Körperkontakt
Nach der Geburt ist ein Menschenkind, ohne eine reife Person die es umsorgt, nicht überlebensfähig. Aus diesem Grund zeigen bereits Neugeborene Babys ganz deutlich, wenn sie ein Bedürfnis nach Nähe haben. Nähe bedeutet für sie nicht nur Körperkontakt, sondern auch eine Rückmeldung ihrer Bezugsperson zu erhalten. Sprache beispielsweise wenn Mama gerade nicht im selben Raum ist, mit dem Auto fährt oder den Kinderwagen schiebt, kann auch ein Gefühl von Nähe vermitteln.
Das Bedürfnis nach Nähe ist in den meisten Fällen nach der Geburt noch recht groß, da es nicht nur Körperkontakt sondern auch Wärme und Nahrung verspricht und somit dem Überleben dient.

Individuelle Unterschiede erkennen
In der Regel fordern Babys die Erfüllung ihrer Bedürfnisse durch Schreien oder später auch Weinen bzw. Jammern ein. Dabei kann man von Geburt an große Unterschiede zwischen den Kindern feststellen. Während manche Säuglinge die ersten Lebenswochen beispielsweise, ähnlich wie ein Känguruhbaby, im Tragetuch nah an Mama und Papa gekuschelt verbringen, genießen es andere bereits vom ersten Tag an alleine im Kinderwagen zu liegen und ihren Freiraum zu haben.
Aus diesem Grund kann man die Frage nach dem „Wieviel an Nähe“ nicht allgemein beantworten. Wie bei den meisten entwicklungspsychologischen Themen, gilt auch hier, es ist entscheidend auf die Signale des eigenen Babys zu achten. Ein Baby wird seinen Eltern immer zeigen wie und wann es Nähe braucht. Dies erfordert viel Feingefühl von den Eltern. Genauer gesagt Bauchgefühl. Denn vor allem beim ersten Kind fehlt vielen noch die Erfahrung ein „Ichbrauchenähe“ -Schreien von einem „miristheiß“ oder „ichhabehunger“-Schreien zu unterschieden.

Emotional verfügbar sein
Immer und überall das dahintersteckende Bedürfnis des eigenen Babys zu erkenn ist nicht nur herausfordernd, sondern eigentlich kaum möglich. Es ist auch nicht wichtig…bzw. nicht das Wichtigste! Denn eigentlich geht es darum emotional verfügbar zu sein. Das bedeutet dem kleinen Menschlein zu zeigen, dass man für es da ist und bemüht ist seine Bedürfnisse wahr- und ernst zu nehmen. Durch die Bereitschaft der Eltern es in seiner Trauer, seinem Schmerz oder seiner Verzweiflung nicht alleine zu lassen, spürt es Nähe in Form von Verständnis und Liebe. Die Ursache für den emotionalen Zustand zu finden wird nach und nach ganz von alleine einfacher. Eltern die ihrem Baby von Geburt an Nähe und Verständnis entgegenbringen, lernen dessen Signale sehr schnell zu deuten. Dadurch kommunizieren Eltern und Kind lange bevor das Kind sprechen lernt auf ihre ganz individuelle Art und Weise.

Kinder stark für die Welt machen
Ein Kind das Eltern hat die versuchen sein Bedürfnis nach Nähe richtig zu deuten und sich bemühen darauf zu reagieren, erkennt, dass es etwas in der Welt bewirken kann und dass es von Menschen umgeben ist bei denen es sich frei entfalten kann. Diese frühe Erfahrung der Selbstwirksamkeit macht Kinder stark und selbstsicher für die Welt in der sie leben.