Nach der Geburt gehen uns viele Gedanken durch den Kopf. Einer, der zwar erst einmal nicht im Vordergrund steht, den wir aber nicht vernachlässigen sollten, dreht sich um die Verhütung. Wir haben mit Frauenärztin Dr. Eva Lehner-Rothe gesprochen, um die wichtigsten Fragen rund um das Thema „Verhütung nach der Schwangerschaft“ zu klären:

Können Frauen nach der Geburt direkt wieder Geschlechtsverkehr haben, oder sollte man eine bestimmte Zeit warten?

Die ersten 6-8 Wochen nach einer Geburt nennt man Wochenbett. In dieser Zeit darf FRAU keinen Sex haben, keine Tampons verwenden und auch keine Vollbäder nehmen. Der Grund ist eine erhöhte Infektionsgefahr durch den sich erst langsam wieder schliessenden Muttermund. Nach den ersten 6-8 Wochen sollte eine gynäkologische Untersuchung bei der Frauenärztin stattfinden. Wenn bei dieser Untersuchung alles in Ordnung ist, gilt das Wochenbett als abgeschlossen und FRAU darf wieder “alles“ machen, also auch wieder Sex haben.

Viele Frauen gehen davon aus, dass sie nach der Geburt nicht sofort wieder schwanger werden können, trotzdem kommt es vor – woran liegt das?

Die Annahme beruht bei vielen Frauen darauf, dass während der Stillzeit (zumindest während das Baby voll gestillt wird also ausschließlich Muttermilch bekommt) der normale Zyklus nicht stattfindet. Die meisten Frauen haben keine Regelblutungen während sie stillen, Ausnahmen gibt es natürlich immer. Die Annahme, dass man deshalb nicht schwanger werden kann, stimmt aber nicht, weil die Eierstöcke in der Stillzeit trotzdem aktiv sind und der eine oder andere (nicht vorhersehbare) Eisprung sehr wohl stattfinden kann. Eine Befruchtung ist möglich und auch wenn eine Einnistung durch die nicht aufgebaute Schleimhaut in der Gebärmutter nicht sehr wahrscheinlich ist, MÖGLICH ist es auf jeden Fall trotzdem. Ab dem Zeitpunkt, wo eine Frau also wieder Sex haben darf, muss sie in der Stillzeit unbedingt aktiv verhüten!

Worauf sollte bei Sex und Verhütung nach der Geburt geachtet werden, was ist wichtig?

Verhütung nach der Geburt ist auf mehrere Arten möglich. Es gibt eine eigene Pille für stillende Frauen. Diese „Stillpille“ ist östrogenfrei und hat damit keinen Einfluss auf die Milchbildung bzw. keine Auswirkungen auf das gestillte Baby. Sie muss aber jeden Tag ohne Unterbrechung eingenommen werden (Anm. der Redaktion: auch zur selben Uhrzeit!), damit sie sicher verhütet. Eine andere, allerdings mehrjährige Möglichkeit, ist die Hormonspirale für 3 oder 5 Jahre, oder die Kupfer- bzw. Goldspirale (beides 5 Jahre). Wenn die frischgebackenen Eltern nur mit Kondom verhüten möchten, was natürlich auch eine Möglichkeit ist, muss allerdings sehr konsequent auf zuverlässige Verwendung geachtet werden.

Welche Vor-/Nachteile ergeben sich bei der Verhütung ohne Hormone während der Stillzeit?

+ Kupfer-/Goldspirale: auch nach dem Abstillen keine irregulären Blutungen

+ langfristige Verhütung für 5 Jahre (falls davor wieder Kinderwunsch ist die Entfernung rasch möglich und die Fruchtbarkeit danach SOFORT wieder hergestellt)

Welche Vor-/Nachteile ergeben sich bei der Verhütung mit Hormonen während der Stillzeit?

+ sehr sicher

– tägliche Einnahme, was manchen „Neo Mamas“ schwer fällt, da sowieso schon alles „anders“ ist, wenn man ein Neugeborenes zuhause hat

Warum sollte man, vor allem während der Stillzeit, auf Östrogene verzichten?

Östrogene verringern die Milchproduktion, können die Qualität der Milch negativ beeinflussen und gehen auf den Säugling über daher sollte die hormonelle Verhütung nach der Geburt auf jeden Fall östrogenfrei sein.

Möglichkeiten der Verhütung ohne Hormone

Goldspirale

Die Golspirale (zum Beispiel die Gold T) besteht aus gewebefreundlichem Kunststoff, der Kern der Goldspirale besteht – wie der Name schon verrät – aus Gold. Die Goldspirale gibt es in drei verschiedenen Größen, damit sie ideal in die Gebärmutterhöhle passt. Die Goldpirale wird langfristig eingesetzt (bis zu fünf Jahren), nach dem Herausnehmen, kann man sofort wieder schwanger werden.

Kuperspirale

Auch die Kupferspirale wird als Langfristige Verhütungsmethode eingesetzt und wirkt ohne Hormone. Eine Weiterentwicklung der Kupferspirale ist das Kupferkettchen.

Die Stillpille

Die normale Pille kann während der Stillzeit nicht eingenommen werden. Die Stillpille wird oft auch als Mini-Pille oder Gestagen-Pille bezeichnet und enthält kein Östrogen. Die Stillpille muss täglich zur selben Uhrzeit eingenommen werden.

 

Unsere Fragen wurden von Frau Dr. Lehner-Rothe beantwortet.
Ordination: Himmelpfortgasse 20/9, 1010 Wien
http://www.evarothe-gyn.at/