Das schlechte Gewissen – Mamas ständiger Begleiter

Mama zu werden ist der Traum vieler Frauen zwischen 20 und 40. Mama zu sein hingegen wandelt diesen Traum an manchen Tagen in eine echte Herausforderung um. Das Geld am Konto wird immer weniger und mit ihm die Energie, der Schlaf und die Zeit.
Für das Wohl eines kleinen Menschlein zu sorgen ist ein Fulltimejob, hört man die Gesellschaft oft sagen. Ihr habt sowas von keine Ahnung. Mama zu sein bedeutet weitaus mehr…
Ein All-in-Vertrag ist nichts gegen den Vertrag den eine Mutter bei der Geburt ihres Kindes eingeht. Als Mama „arbeitest“ du nicht nur 7 Tage die Woche 24 Stunden am Tag um dein Kind zu versorgen. In der Regel machst du ganz nebenbei auch noch den Haushalt, pflegst die sozialen Kontakte der Familie, denkst an Arzt- und Behördenwege und versuchst für deinen Partner eine Frau zu bleiben und nicht nur eine Mutter für euer Kind zu sein. Der Vergleich mit einem „Fulltimejob“ hinkt eindeutig. Er ist weit untertrieben und eigentlich schlicht weg falsch.

Verweilen wir mal kurz beim ebengenannten „nebenbei“…
Gäbe es eine job description für Mamas, wäre das Wörtchen „nebenbei“ wohl mehrfach darin enthalten. Ist ein Baby erst einmal auf der Welt, läuft alles und ich meine wirklich alles, nebenbei. Das muss es auch. Denn wer kann sich schon einen Koch, eine Haushaltshilfe, eine Nanny und einen Personal Trainer leisten, um nur einige wenige Aspekte des Mamaalltags zu beleuchten.

Man stelle sich eine Stellenbeschreibung für eine Mama erst einmal vor…
Wir suchen dich…
Du kannst kochen, backen, singen, tanzen und putzen. Multitasking ist dein zweiter Vorname. Du pflegst und versorgst alles und jeden in deiner Umgebung und bist steht’s bemüht um deine Mitmenschen. Und das alles machst du voller Freude und top motiviert.
Ganz klar, kein Mensch kann diesen Anforderungen gerecht werden. Aber, und da sind wir bei der Quintessenz angelangt, warum Mama sein der am meist unterschätze und –unterbezahlteste Job der Welt ist, als Mama versuchst du es täglich.
Die Mamas die ich kenne, sind immer bemüht diesen Anforderungen zu entsprechen. Ihr ständiger Begleiter ist dabei das schlechte Gewissen. Denn wenn eine Mama mit ihrem Kind spielt, denkt sie an den Haushalt der gerade liegen bleibt. Erledigt sie diesen, ist es das Kind, das ihr Leid tut, weil es gerade zu kurz kommt.

Woher kommt dieser Anspruch an uns selbst?

Zum einen wollen wir vermutlich, je nach Charakter die eine mehr und die andere weniger, unsere Sache perfekt oder wenigstens gut machen.
Zum anderen ist es die Gesellschaft, die uns ein gewisses Rollenbild vorgibt. Vor allem dank der sozialen Medien werden wir ständig mit der ungefragten Meinung anderer konfrontiert. Was früher noch hinter vorgehaltener Hand betuschelt wurde, wird einem heute beim Frühstück über Facebook und Instagram frei Haus geliefert.

Da Mama sein trotz all der Herausforderungen und Veränderungen eine Herzensangelegenheit ist, kann man diese nicht mit Geld aufwiegen. Und genau da liegt vermutlich der Hund begraben. Wie so viele soziale Berufe, ist, meiner Meinung nach, auch das Mama sein schrecklich unterbezahlt.
In einem Job in dem du nicht nur Höchstleistungen erbringst, sondern deine Aufgaben auch noch selbstorganisiert und aus vollen Herzen erledigst, darfst du dich über ein paar hundert Euro pro Monat freuen. Dein Gehalt, das dich mit einem Arbeitssuchenden gleichstellt, darfst du dann frei verwalten. Du kannst dir teure Massagen, einen Chauffeur oder einen Urlaub darum leisten. Oder aber du investierst es in die Miete, Nahrungsmittel und Kleidung für dich und deine Lieben.
Ganz klar, Mama sein ist kein Job sondern eine Herzensentscheidung. Für eine Herzensentscheidung kann man niemanden belangen. Ein Glück für den Staat, denn dadurch muss dieser nur für die Lebenserhaltungskosten aufkommen, nicht aber für ein angemessenes Gehalt. An ganz bösen Tagen klingt das für mich danach als würden Mamas lediglich gerade so am Leben erhalten werden müssen. Kein schönes Bild, das ich mir da an trüben Tagen zeichne.

Ich möchte nicht undankbar erscheinen, denn ich bin sehr froh in einem Land zu leben, in dem ich überhaupt finanzielle Unterstützung erhalte. Trotzdem ist der Frust an manchen Tagen und vor allem bei manchen Nachtschichten groß, wenn mir klar wird, dass es mir gerade nicht möglich ist ein wenig Geld für die Zukunft zu sparen oder eine Auszeit vom Alltag zu nehmen weil das Geld dafür an anderer Stelle dringender gebraucht wird.

Und trotzdem, wie sollte es anders sein, ich möchte keinen Tag als Mama missen. Ich bin so schrecklich gerne Mama und nehme alles dafür in Kauf. Meine Bezahlung sind Küsse, Umarmungen und der Titel Mama. Darum kann ich mir zwar nichts kaufen, aber ich kann mich daran wärmen und mich daran erfreuen.